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Gezwinker an der Billa-Kassa oder Wie ich mit den Augen lache

Heute Mittag an der Billa-Kassa.

Vor mir eine Mutter mit Einkaufswagen. Im Sitz desselben ein ca. 8 - 12monatiges "Knuddelpaket" in Form eines Kleinkindes. Verpackt in eine dicke Winterjacke und Mütze mit Bommel. Die Mama füttert ihn häppchenweise mit kleinen Semmelstückchen, wohl, um ihn beim Warten in in Laune zu halten. 

Der Kleine guckt in meine Richtung, während die Mama mir situationsbedingt den Rücken zuwendet. 

Ich starte einen Versuch.

Ich möchte wissen, ob dieses kleine Wesen mein Lächeln trotz Maske erkennt. Und so beginne ich, mit den Augen zu "lachen", ohne diese sonderlich zu bewegen oder gar zu verdrehen.

Er schaut mich eine Weile an. Ich glaube, eine Mischung aus Erstaunen, Überraschung und Verwunderung zu erkennen. Er wendet den Blick nicht mehr ab von mir. Ich mache weiter.

Da! Plötzlich ein Grinsen. In seinem und in meinem Gesicht. Bei ihm offen erkennbar, bei mir hinter der Maske.

Seine Mutter macht einen Schritt nach links und verstellt ihm den Blick auf mich.

Ich gucke kurz an ihr vorbei, wobei ich nur den Kopf bewege. Das Babywesen freut sich sichtlich. Und lacht.

Ich verschwinde wieder hinter dem Rücken seiner Mama. Nun hält er den Kopf so schief zur Seite, um mich zu erblicken, dass ich schmunzeln muss.

Seine Reaktion kommt sofort. Er lächelt. Und zwar so eindeutig, dass seine Mutter sich umdreht und mich anguckt.

"Wir haben Spaß, wir zwei", sage ich.

"Ah, ok", sagt sie. Und in ihren Augen sehe ich dieselbe Mischung aus Erstaunen, Überraschung und Verwunderung wie zuvor bei ihrem Kleinen.

Was genau sie denkt, möchte ich lieber erst gar nicht wissen.

Ist auch völlig egal. Für mich hat sich der Versuch gelohnt, denn ganz deutlich hat sich bestätigt, dass Kinder eben tatsächlich noch auf anderen Ebenen wahrnehmen. Sie erkennen ein Lachen in den Augen von (fremden) Menschen, denen sie noch nie begegnet sind.

Sie entlarven ein Lächeln hinter Masken. Und sie lassen sich ganz offenbar schnell zum Spielen einladen. Zumindest heute. Zumindest mittags. Zumindest in der Kassaschlange. 

"Lasst uns wie die Kinder werden" sagte einst ein weiser Mann, dem wir wieder mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. 

Denn auch er hätte mein Lächeln erkannt. Unter Masken, hinter Mauern und Panzern. Dessen bin ich mir ganz sicher.

Vielleicht hatte er ja sogar heute Lust auf ein Spiel und hat mich im Körper eines Kleinkindes zu einer Partie Augen-Lachen aufgefordert. 

Wer kann schon ahnen, was da alles so vor sich geht? Mittags. An der Billa-Kassa.

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