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Wahrnehmung(en)

Kennt ihr auch Sprüche wie "Jeder ist seines Glückes Schmied" oder "Wir alle erschaffen unsere eigene Realität". Es gibt wohl noch einige Weisheiten mehr, die auf diese Themen abzielen.

Für mich sagen diese aus, dass alles eine Frage der Wahrnehmung ist. Wie ist meine Einstellung, meine Sichtweise, wo liegt mein Fokus, worauf richte ich meine Aufmerksamkeit?

Das fängt oft schon bei ganz kleinen Dingen an, darum möchte ich gleich einmal fragen: Was seht ihr auf dem Foto dieses Artikels?

(Ich hoffe, dass es diesmal im richtigen Format angezeigt wird! Beim letzten Artikel hat das ja leider nicht ganz so geklappt...)

 

Beim Gehen des Johannesweges ist mir aufgefallen, dass wir - ich bin mit einer Freundin gegangen - selten gleichzeitig dieselben Dinge gesehen haben. Das, was sie entdeckt hat, hab ich oft erst durch ihren Hinweis bemerkt und umgekehrt. 

Derselbe Weg, derselbe Ort, die gleiche Zeit - und doch verschiedene Wahrnehmungen.

Auch für mich selbst habe ich entdeckt, dass ich manchmal vieles rund um mich und ein anderes Mal nur das, was direkt vor meinen Füßen lag, wahrgenommen habe.

Besonders am zweiten Tag unseres Gehens. Da hat es nämlich ziemlich stark geregnet und durch eine triefend nasse Kapuze mit einem durchnässten Kapperl drunter, das mir immer wieder in die Stirn bis zu den Augen gerutscht ist, war es nur logisch, dass ich mit gesenktem Kopf dahingestapft bin und den Blick hauptsächlich nach unten gerichtet hatte. 

Dabei hatte ich den Gedanken, dass unsere Körperhaltung wirklich große Auswirkungen auf unseren Gesamtzustand hat. 

Nicht nur durch eventuelle Verspannungen, die bei solch gebückter Haltung entstehen können, sondern auch auf Geist und Seele.

 

Aufrecht (durchs Leben) gehen! 

Steht das vielleicht doch auch im Zusammenhang mit aufrichtig gehen und sein!?

Wollen wir etwas verbergen, wenn wir geduckt durchs Leben schleichen?  Was genau möchten wir verstecken?  

Zeigen wir uns tatsächlich in voller Größe - aufrecht und aufrichtig?

 

In meinem Fall waren es nur Kappe und Kapuze, die mich mit zum Boden geneigten Kopf gehen ließen. Und doch war das Gefühl ein anderes, als an den beiden anderen Tagen, wo ich freie Sicht hatte!

Nicht nur, weil ich am Regentag nicht mal die Wegweiser gesehen habe und mir klar wurde, wie leicht ich mich verlaufen könnte mit gesenktem Kopf, sondern auch, weil ich auf diese Weise natürlich in erster Linie mit mir selbst zu tun hatte. Versunken in den Weg, beschäftigt mit dem Kappe-wieder-zurecht-rücken. 

 

Es hat natürlich auch was sehr Entspannendes, die Eindrücke einfach auf den vor mir liegenden Weg zu beschränken, keine Frage. Auch da gibt es allerhand zu entdecken! Vieles, was ich sonst wahrscheinlich eben nicht wahrnehmen würde. Durch zu viel Ablenkung vom Außen. Es tut auch echt gut, sich nur auf den (eigenen) Weg zu konzentrieren. Schritt für Schritt. Und plötzlich ist man da. Ohne im Gehen jemals ganz bewusst erfasst zu haben, wie weit es denn noch sein mag.

 

Schritt für Schritt. Atemzug um Atemzug. Völlig im Hier und Jetzt. Unbeeindruckt von dem, was neben mir liegt oder sich da offenbaren will. Tropfen auf der Regenjacke, die sich zu kleinen Rinnsalen bilden und das beruhigende Geräusch des Regens in den Bäumen. Dieses gleichmäßig, eintönige Rauschen, das doch soviel Leben und Frische vermittelt. Eintauchen in mich, eins werden mit der Natur, die Welt im "Außen" einfach vergessen und sich selbst als Teil davon spüren. 

Das Innen verschmilzt mit jedem Schritt mit dem Außen und umgekehrt. Absichtslos.

 

Eine wirklich bereichernde und erfüllende Erfahrung, die mir zeigt, dass es gar nicht so viel braucht zum Glück, wie wir immer annehmen. Es reicht völlig, im Jetzt und offen für alles, was ist, zu sein.

 

 

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